Grüne, CDU und Gewerbeverein Eberstadt begrüßen den Beginn der Bürgerbefragung zur Zukunft des Stadtteilzentrums – Gemeinsame Kritik an Polemik und Meinungsmache im Zusammenhang mit der geplanten Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes, „Nichts tun, heißt nicht, dass alles beim Alten bleibt. Eberstadt muss eine Chance zur Stärkung des Einzelhandels nutzen, die so schnell nicht wieder kommt.“ (03.01.2013)

Oberbürgermeister Jochen Partsch hat den Versand der Fragebögen an 5.000 repräsentativ ausgewählte Eberstädter Haushalte bekannt gegeben. Damit startet die angekündigte Bürgerbefragung zur Zukunft des Stadtteilzentrums und des Einzelhandels. Die Zusage an die Eberstädterinnen und Eberstädter aus der diesjährigen Bürgerversammlung wird eingelöst.

„Beteiligung ist ein wichtiger Teil unseres gemeinsamen Politikstils gerade auch im Stadtteil“, kommentieren die Eberstädter Stadtverordneten der Regierungskoalition Doris Fröhlich, Birgit Pörtner (beide GRÜNE), Ludwig Achenbach und Peter Franz (beide CDU) und erläutern weiter: „Die Einbeziehung der Bürgerschaft muss breit angelegt werden. Das Prinzip, dass sich nur durchsetzt, wer am Lautesten schreit oder die meiste Zeit hat, überall seine spezielle Meinung zu streuen, darf kein Maßstab für Bürgerbeteiligung werden. Sonst verliert sie schnell an Akzeptanz. Repräsentative Formen der Partizipation wie die aktuelle Befragung sind ein richtiger Ansatz.“

Dem stimmt auch Michael Knieß 1.Vorsitzender des Stadtteil-Gewerbevereins zu: „Hier werden nicht nur 5.000 Bürgerinnen und Bürger befragt, sondern genauso 5.000 potenzielle Kundinnen und Kunden des Eberstädter Einzelhandels. Wir wollen wissen, was unsere Kundschaft denkt und rufen deshalb dazu auf, mitzumachen. Wir bitten alle, bei denen ein Fragbogen im Briefkasten ist, aber auch um eine gut überlegte Entscheidung. Wir unterstützen die Schaffung des Lebensmittelmarktes im ehemaligen Radio Wilms ausdrücklich, weil wir wissen, dass sich hier die einmalige Chance bietet, eine moderne Verkaufsfläche zu schaffen, die nicht so schnell wieder kommt. Sie entscheiden mit über unsere Zukunft und die Zukunft ihres Zentrums!“

Im Vorstand des Gewerbevereins ebenso wie in den beiden Parteien herrscht deshalb nach wie vor allgemeines Kopfschütteln über ein Flugblatt der Initiative PRO Eberstadt aus dem November. Das Papier, das an zahlreiche Haushalte in Eberstadt verteilt worden war, gipfelte in der Aussage, man unterstütze mit einem Nein zu einem Lebensmittelmarkt im Radio Wilms-Gebäude die Eberstädter Einzelhändler.
„Das ist schlicht und einfach falsch“, bestätigt Knieß (Gewerbeverein) die Haltung derer, die hier vermeintlich geschützt werden sollen. „Wer etwas vom Handel versteht, der weiß, dass die Menschen dort einkaufen, wo ein gesunder Mix von inhabergeführten Geschäften und Ketten, von kleinen und mittelgroßen Läden besteht – dort eben, wo man verschiedene Erledigungen auf kurzem Wege miteinander verbinden kann. Das ist die Qualität unseres Stadtteilzentrums in Eberstadt. Der neue Markt wird einen wichtigen Beitrag leisten, diese Vielfalt zu erhalten und zu stärken. Dies kann durch eine Neuansiedlung geschehen oder auch indem ein Markt aus einer alten Liegenschaft umzieht, die demnächst ohnedies aufgegeben würde, und so dem Stadtteil nachhaltig erhalten bleibt.“

Achenbach (CDU) und Fröhlich (Grüne) stimmen zu: „Es ist unerträglich, wie seit Monaten in der Diskussion um den Lebensmittelmarkt Argumente nach Bedarf verdreht, falsche Tatsachen und Halbwahrheiten verbreitet werden. Ein Beispiel unter vielen ist der Schutz des Einzelhandels. Zwischen 2004 bis 2012 ist die Verkaufsfläche im Eberstädter Zentrum um über 13% geschrumpft. Dem muss etwas entgegen gesetzt werden. Der Abwärtstrend kann nur durch die Schaffung zeitgemäßer Angebote gestoppt werden. Sonst dreht sich die Spirale weiter nach unten. Die Verantwortung dafür tragen dann diejenigen, die heute aus welchen individuellen Interessen heraus auch immer, ein neues Projekt torpedieren, koste es was es wolle.“ In den letzten Jahren habe man neben anderen Geschäften mit dem Edeka in der Schwanenstraße und Penny in der Waldstraße bereits zwei Lebensmittelmärkte verloren. Wem an Eberstadt etwas liege, dürfe dieser Entwicklung nicht weiter Vorschub leisten. Nichts tun, heiße hier eben nicht, dass alles beim Alten bleibe.

Vor diesem Hintergrund begrüßen die Koalitionsvertreter, dass dem städtischen Fragebogen ein Informationsblatt beigelegt sei, das bei aller notwenigen Neutralität mit einigen Falschinformationen aufräume. „Nein, die Erweiterung des Radio Wilms-Gebäudes nach hinten wird die City Arkaden und die Restaurant-Terrasse nicht zustellen. Der Baukörper endet früher. Nein, der Parkplatz vor den City Arkaden fällt nicht vollständig weg. Lediglich ein Teil wird für das neue Projekt benötigt. Ja, es werden einige Bäume für den Bau fallen müssen. Aber der Projektentwickler hat bereits zugesagt, den Eingriff sogar überkompensiert auszugleichen“, erläutern Pörtner (Grüne) und Franz (CDU). Stadtentwicklung in einer eng bebauten Ortslage wie in Eberstadt sei immer auch eine verantwortliche Abwägung zwischen unterschiedlichen Belangen – ein Zu- und Abgeben. „Wer nur Maximales fordert, wird für Eberstadt weniger als Nichts erreichen, nämlich dass unser attraktives Stadtteilzentrum nach und nach verschwindet“, bilanzieren die Vertreter der Parteien und des Gewerbevereins gemeinsam: „Lassen Sie uns die Chance nutzen, einen Leerstand in einen Magneten für den Ortskern zu verwandeln.“

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