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Junges Darmstadt, Zukunft durch gute Bildung

Grüne Konzepte für Schule und gute Bildung

Wir GRÜNE setzen uns ein für eine Stadt, in der kein Kind zurückbleibt.
Wir wissen seit der ersten PISA-Studie im Jahr 2000, dass Deutschland im internationalen Vergleich nur einen bescheidenen Platz im Mittelfeld unter über 30 Industrienationen belegt. Dies wurde in der aktuell veröffentlichten neuen PISA-Studie bestätigt.

Die Chancen auf eine gute Bildung und Ausbildung hängen in Deutschland - wie in kaum einem Land der sogenannten OECD-Staaten - von der sozialen Herkunft ab!
Diese Entwicklung hat sich weiter verfestigt. Wir haben klare, aussagefähige Konzepte um hier gegenzusteuern.

Chancen- und Teilhabegerechtigkeit sind zentrale Aspekte GRÜNER Bildungspolitik.
Allen Kindern muss, unabhängig von ihrer Herkunft und ihren sozialen Voraussetzungen die Möglichkeit geboten werden, sich individuell und ihren Neigungen/Talenten entsprechend zu entwickeln.
Gute Bildung ist für uns GRÜNE mehr als nur Qualifikation für einen flexiblen Arbeitsmarkt. Gute Bildung bedeutet für uns mehr als nur die Vorbereitung auf das Arbeitsleben.

Als unverzichtbare Bestandteile bei der Vermittlung guter Bildung stehen nach GRÜNEM Verständnis folgende Punkte im Zentrum:

  • die Entwicklung einer individuellen, starken und selbstbewussten Persönlichkeit,
  • die Erziehung zu einem demokratischen Grundverständnis und
  • das Erlernen sozialer Kompetenzen.

Erst wenn wir allen eine vielseitige und nachhaltige Bildung und Ausbildung ermöglichen, können wir allen BürgerInnen eine sichere Existenz durch ein gesichertes Einkommen, soziale Teilhabe und somit eine sichere, selbst bestimmte Zukunft in einer solidarischen Gemeinschaft garantieren.

Voraussetzung für gute Bildung sind gute Schulen.

Darmstadt hat eine vielfältige Schullandschaft geprägt durch Gymnasien mit differenzierten Angeboten, Stadtteilschulen und freien Schulen. Sowohl die klassischen Bildungsangebote der Gymnasien, als auch die Vermittlung experimenteller, alternativer Lehr- und Lernmethoden in anderen Schulformen zeichnen die vielfältige Darmstädter Schullandschaft aus.
GRÜNE Bildungspolitik möchte alle Schulformen darin unterstützen, ihre Möglichkeiten über bloße Wissensvermittlung hinaus zu entwickeln, um den Anspruch auf Bildungsgerechtigkeit zu garantieren.
Das dreigliedrige, unter Einbeziehung der Förderschulen sogar viergliedrige, Schulsystem erfüllt die Ansprüche an Gerechtigkeit im Schulsystem nicht.
Die frühe Trennung in Haupt-, Real- oder Gymnasialkinder nach der 4. Klasse ist in berücksichtigt nicht die tatsächlichen Begabungen und Talente der Kinder. Langes gemeinsames Lernen ist Grundsatz Grüner Schulpolitik.

Land und Bund in die Pflicht nehmen

Im Bereich Bildung und Betreuung ist Vieles Landesaufgabe, den Kommunen sind enge Gestaltungsgrenzen gesetzt. Wir sehen nicht ein, dass die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern unter der zum größten Teil unzeitgemäßen Struktur der Aufgabenverteilung leiden. Wir werden das Land und den Bund immer wieder in die Pflicht nehmen, Versprechen auch einzulösen, sei es bei dem schleppenden Ausbau von Ganztagsschulen, sei es auf dem Weg zur Selbständigen Schule mit einem ausreichenden Budget oder bei einer angemessenen Ausstattung für den gemeinsamen Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen. Die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer muss dringend durch das Kultusministerium reformiert werden und neuen Standards folgen. Interkulturelle, soziale und didaktische Kompetenzen müssen an den Universitäten einen höheren Stellenwert erhalten.

Verantwortungsvolles Handeln ist Anliegen GRÜNER Bildungspolitik.
So bieten Mitgestaltungsmöglichkeiten der SchülerInnen bei Planung und Umsetzung neuer Schulhofkonzepte oder bei Renovierung von Schulräumen ausreichend Anlässe, kreativ und eigenverantwortlich an „ihrer Schule“ zu handeln. Ein Beispiel dafür ist der Darmstädter Umweltpreis, der lange Zeit ausgeschrieben wurde und an dem sich viele Schulklassen beteiligt haben. Dies führt zu einer verbesserten Identifikation mit der Schule. Schule ist dadurch nicht nur Lern- sondern auch Lebensort.

Unabhängigkeit ist Grundvoraussetzung, um freies Lernen und freies Denken in der Schule zu ermöglichen. Deshalb müssen die Voraussetzungen für die Vermittlung gesellschaftlicher Grundwerte in einem unabhängigen Umfeld erhalten bleiben.
Wir als Kommune müssen daher dafür sorgen, dass privates Sponsoring nicht mit latenter bildungspolitischer Einflussnahme verknüpft wird.

Raumangebote sind Voraussetzung für Rahmenbedingungen von „echter Ganztagsschule“, wie beispielsweise Mensen oder Aufenthaltsräume für die Mittagspause.
Die jahrelange Verschleppung der gemeinsam zu nutzenden Mensa auf der Schulinsel konterkariert diese Bemühungen.
Kostenfreies, gesundes Mittagessen für jedes Kind in Darmstädter Schulen ist unser Ziel.
Entfaltungs- und Freiräume im kreativ-musischen oder im sportlichen Bereich müssen den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden.

Flexible Eingangsstufen
Gerade die Strukturen am Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule müssen sich ändern. Wir wollen, dass die Grundschulen, die dies wünschen,
flexible Eingangsstufen einrichten können, in denen die Kinder nach den individuellen Voraussetzungen die ersten beiden Schuljahre in einem oder zwei Jahren in altersgemischten Gruppen durchlaufen. Diese Wahlfreiheit ist abhängig von der Zustimmung des Landes und der Bereitstellung von entsprechenden LehrerInnenstellen.
Die betreuende Grundschule soll in diesem Zusammenhang weiter ausgebaut werden. Mit dieser Interimslösung entlassen wir das Land nicht aus der Pflicht, Ganztagesschulen zu etablieren.

Die Gesamtschulen müssen gestärkt werden, denn nur sie haben die organisatorischen und unterrichtstechnischen Möglichkeiten entwickelt, mit denen die von GRÜNER Bildungspolitik eingeforderte Bildungsvielfalt umgesetzt werden kann.
Dabei entspricht die Integrierte Gesamtschule (IGS) den modernen Vorstellungen von einer „Schule für alle“ am Besten.
Die Schulform der IGS bietet allen Kindern den schulischen Rahmen, sich ihren unterschiedlichen Begabungen gemäß zu entwickeln und zu entfalten, alle Kinder werden gleichermaßen gefördert und unterstützt, ungeachtet ihrer sozialen Herkunft. Dabei werden die verschiedenen Grundvoraussetzungen der Kinder durch vielfältig differenzierte Lernangebote optimal berücksichtigt, es gibt kein „Sitzenbleiben“ mehr und jedes Kind hat die Zeit, sich bis zum 10. Schuljahr entsprechend seinen Fähigkeiten zu entwickeln und die Schule mit einem Haupt- oder Realabschluss oder der Übergangsberechtigung auf eine Oberstufe zu verlassen.
Das gemeinsame Lernen aller SchülerInnen jeglicher Herkunft unter einem Dach, in einer Klasse, bildet die Realität unserer Gesellschaft auf die Schule ab und verzichtet bewusst auf die Ausgrenzung einzelner.
Wir unterstützen daher die Bemühungen der Gutenbergschule zur Umwandlung in eine IGS.

Das duale Berufsausbildungssystem gilt weltweit als vorbildlich. Die Verbindung von schulischer Bildung und betrieblicher Ausbildung gewährleistet eine hohe Qualifikation derer, die sie absolvieren. Berufschulen sind die Zentren, die Bildung und Ausbildung „dual“ miteinander verbinden, sie bewirken somit eine Stärkung der Region und diese bedeutet gleichzeitig eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Darmstadt.
Es ist eine Tatsache, dass Berufsschulen kaum über eine Lobby verfügen, da die Schülerschaft meist volljährig ist und es daher nur wenige engagierte Eltern gibt. Die SchülerInnen müssen sich auf ihre berufliche Ausbildung konzentrieren. Daher fordern wir GRÜNE erhöhte Verantwortungsübernahme durch die Kommune.
Wir wollen den Berufsschulstandort Darmstadt stärken. Bereits 2006 hat die GRÜNE Schuldezernentin einen umfassenden Berufsschulentwicklungsplan aufgelegt. Seitdem sind aber nur kleinteilige Umsetzungen daraus realisiert worden. Die große Aufgabe der Sanierung des Berufsschulzentrums Nord ist unberührt geblieben. Weder Finanzierungs- noch Planungsstrategien sind entschieden. Hier muss dringend gehandelt werden. Wir werden uns für die Bereitstellung der finanziellen Mittel für die Sanierung des Berufschulzentrums einsetzen.

Mit dem Ausbau der flächendeckenden, sozialraumorientierten Schulsozialarbeit werden zukünftig alle SchülerInnen unserer Stadt unterstützt. Das neue Konzept bindet Schule als einen von mehreren Orten, an dem Kinder und Jugendliche sich bewegen und aufhalten, in den Sozialraum ein. Damit wird Schule verpflichtet, vernetzt und kooperativ im Sozialraum zu agieren und die Lebens- und Aufenthaltsräume der SchülerInnen in den Schulalltag einzubeziehen.

Inklusion
Die Bundesrepublik Deutschland hat die UN-Konvention „über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ im Jahr 2007 unterschrieben. Dieses Übereinkommen verpflichtet in Artikel 24 (2) die Vertragsstaaten, Menschen mit Behinderungen nicht vom allgemeinen Bildungssystem auszuschließen. Seit 2009 ist dies in Deutschland Gesetz.
Die längst überfällige Umwandlung der Schulen zu „inklusiven Schulen“ wird aber nicht nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen, sondern auch durch gute und ausreichende Ressourcen unterstützt werden müssen. Dies betrifft eine Aufstockung des Lehrpersonals, Verbesserung der Räumlichkeiten, also uneingeschränkte Barrierefreiheit und die Senkung der Klassengrößen.
Mit kritischem Interesse sehen wir den Konzepten der Hessischen Landesregierung entgegen. Für uns GRÜNE steht jedenfalls fest:
Inklusion ist ein längst fälliger Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik, der sich nicht kostenneutral umsetzen lässt. Der Sparkurs der hessischen Landesregierung hat an dieser Stelle nichts zu suchen!

Erste Schritte zur inklusiven Schule werden in Darmstadt durch die Auflösung der Mühltalschule und die Überleitung der SchülerInnen in die Ludwig-Schwamb-Schule ausprobiert. Wir werden darauf achten, dass es sich nicht um eine rein räumliche Verlagerung handeln wird, sondern dass mit der Maßnahme auch pädagogische und inhaltliche Konsequenzen folgen.
Wir schlagen deshalb vor, die Ludwig Schwamb Schule als inklusive Modellschule zu definieren und fordern daher entsprechende fundierte Konzepte. Inklusive Pädagogik muss gemeinsam mit Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen entwickelt und gelebt werden.

Die Verlegung der Sekundarstufe I der Mühltalschule muss für die Eltern mit einer Wahlfreiheit verbunden sein. Die Kinder können entweder in die Ernst-Elias-Niebergall-Schule wechseln oder werden in die Gutenbergschule eingegliedert.
Auch hier setzen wir ein inklusives Konzept und adäquate Rahmenbedingungen voraus, die Inklusion ermöglichen und nicht zu neuer Exklusion führen.

Die Bildungsregion Darmstadt / Darmstadt-Dieburg
Für die GRÜNEN in der Stadt Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist eine enge Kooperation der beiden Schulträger Stadt und Landkreis längst überfällig. Eltern interessieren sich nicht für Kreis- oder Stadtgrenzen, wenn sie für ihre Kinder die nach ihrer Ansicht bestgeeeignete Schule auswählen wollen, schließlich gilt in Hessen nach der Grundschule die freie Schulwahl.
Als Grundlage für die Weiterentwicklung des Schulwesens in Stadt und Landkreis wurde 1997 eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung aktualisiert, die eine Abstimmung bei der Schulentwicklungsplanung, Schulorganisation und auch beim Schulbau vorsieht. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass dies bei vielen schulischen Belangen nicht ausreicht.
Für die GRÜNEN sind deshalb weitere konkrete Maßnahmen zum ultimativen Schulkonsens unausweichlich.
Das Ziel ist die gemeinsame Schulträgerschaft von Stadt und Landkreis für alle Schulen in Darmstadt und in Darmstadt-Dieburg.
Ein erster Schritt auf dem Weg zur Bildungsregion war der gemeinsame Schulentwicklungsplan für die Beruflichen Schulen, der im Jahr 2004 beschlossen wurde. Konsequent waren deshalb die Aufträge des Kreistages Darmstadt-Dieburg und der Stadtverordnetenversammlung Darmstadt an die beiden Schuldezernenten, einen Entwurf für einen gemeinsamen Schulentwicklungsplan für die weiterführenden Schulen und die Förderschulen vorzulegen. Dass dieses Ansinnen nach einem hoffnungsvollen Start scheiterte, ist für uns nicht nachvollziehbar und nicht akzeptabel.
Die abgestimmte Weiterentwicklung gemeinsamer Bildungsstrukturen in Stadt und Landkreis und die Ausgestaltung einer Bildungsregion, wird künftig im Rahmen des Hessischen Schulgesetzes die wichtigste Aufgabe der Schulentwicklungsplanung und schließlich der gemeinsamen Schulträgerschaft sein.
Nur dadurch sind die zwingend notwendigen, umfassenden Abstimmungen jederzeit garantiert, sowohl im pädagogischen, wie im organisatorischen Bereich. Dies gilt auch für einen fairen finanziellen Ausgleich im gesamten Stadt- und Kreisgebiet.

 

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