"Bezahlbar und GRÜN Wohnen"

Veranstaltung am 01.11.2012 in Darmstadt

Bezahlbar und grün wohnen – 10 Jahresstrategie zur Schaffung von sozialem Wohnraum in Darmstadt vorgestellt


Gut besucht war die wohnungspolitische Veranstaltung am 01.11.2012, die unter dem Titel „Bezahlbar und Grün Wohnen“ angekündigt wurde. Über 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger fanden sich im Foyer des Justus-Liebig-Hauses ein, um den Ausführungen der PodiumsteilnehmerInnen zu folgen. Übergeordnetes Thema der Veranstaltung war das Spannungsverhältnis der Vereinbarkeit von Energetischer Gebäudesanierung, Mietenniveau und sozialem Wohnungsbau.

Eingangs beschrieb Daniela Wagner die bundespolitischen Rahmenbedingungen und die Zielsetzungen der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die GRÜNEN für den Bereich Bauen und Wohnen. Als ambitioniert, aber unumgänglich hält sie die Forderung, Klimaneutralität im Gebäudebereich bis 2050 erreichen zu wollen. Einer der Schlüssel der Energiewende wie des Klimaschutzes liegt in der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes in Deutschland. So fordert die Grüne Bundestagsfraktion ein verlässliches Förderprogramm von 2 Milliarden Euro von der Bundesregierung, um dieses Ziel erreichen zu können. Auch sollen ökologische Baustoffe besser gefördert werden und Mietminderung bei nicht ausgeführten, aber vorgeschriebener energetischen Sanierungsmaßnahmen in Wohngebäuden möglich sein.
Die Sozial- und Wohnungsdezernentin der Wissenschaftsstadt Darmstadt Barbara Akdeniz wies auf die Notwendigkeit der Schaffung von sozial-gefördertem Wohnraum für einkommensschwache Menschen in Darmstadt hin. Die Nachfrage in der Stadt ist erheblich größer als die vorhandenen, preisgebundenen Wohnungen. Das macht sich unter anderem an der Liste beim Amt für Wohnungswesen bemerkbar, auf der 2.200 Haushalte gemeldet sind. Etwa viermal so viele Menschen suchen in Darmstadt sozial geförderten Wohnraum wie jährlich vermittelt werden können. Wie überall in der Bundesrepublik ist auch in Darmstadt die Reduzierung des Anteils der Wohnungen mit Sozialbindung spürbar. Um dem entgegenzuwirken, setzt die Wohnungsdezernentin auf die enge Kooperation mit der städtischen Tochter bauverein AG. Ziel ist, in den nächsten 10 Jahren die 1.300 aus der Bindung fallenden Wohnungen zu ersetzen. Dies kann durch Neubau oder auch durch den Ankauf auslaufender Bindungen passieren, beide Varianten mit dem Ziel, Mietpreise deutlich unter dem Mietspiegelniveau zu garantieren.
Dr. Hans-Jürgen Braun, Vorstandsvorsitzender der bauverein AG, bestätigt in seinem Vortrag, dass seit Jahren bundesweit unter Bedarf gebaut würde. Dies führt zu Knappheit auf dem Wohnungsmarkt und damit einhergehend zu Preissteigerungen. Für Darmstadt analysierte Braun, dass der Bedarf an Wohnungen nicht allein über Neubautätigkeiten gedeckt werden kann. Daher ist ein wesentlicher Schwerpunkt der Bauverein AG die Nachverdichtung sowie die Konversion von Militär- und Industrieflächen. Ähnlich wie Akdeniz merkt er an, dass in den letzten Jahren viele Wohnungen aus der Preisbindung gefallen sind. Die bauverein AG versucht daher, preisgebundenen Wohnraum in enger Kooperation mit der Stadt durch Ankauf von Belegungsrechten sowie über Zubau zu schaffen. Doch der finanzielle Spielraum des kommunalen Wohnungsunternehmens ist beschränkt. Derzeit wird der Bau einer Sozialwohnung durch vier Komponenten realisiert: ein Landeszuschuss, ein kommunaler Zuschuss (ca. 35 – 40.000 Euro pro Wohnung), Eigenkapital des Wohnungsunternehmens und Darlehen aus dem Kapitalmarkt. Für die kommunale Ko-Finanzierung von 100 Wohnungen müssen also ca. 4 Millionen Euro aufgebracht werden.
Um dies zu ermöglichen, wird laut Akdeniz und Braun die Stadt mit der bauverein eine langfristige Kooperationsvereinbarung abschließen, die vorsieht, dass Ausschüttungen der Aktiengesellschaft, die grundsätzlich an die Hauptaktionärin Stadt fließen würden, im Unternehmen verbleiben und als kommunale Eigenmittel für die Co-Finanzierung zur Schaffung sozialen Wohnraums eingesetzt werden.
Mit dieser Strategie ist ein wichtiger Schritt zur Regulierung preiswerten Wohnraums in Darmstadt getan, resümieren Braun und Akdeniz. Gleichzeitig wird laut Wohnungsdezernentin Akdeniz der qualifizierte Mietspiegel neu erhoben, so dass auch darüber ein Mietpreisregulierungsinstrument mit Beachtung energetischer Komponenten erhalten bleibt.
Abschließend berichtete Braun über die Aktivitäten der Bauverein AG im Bereich der energetischen Gebäudesanierung. Diese muss weiter vorangebracht werden, da die Mietpreiserhöhung in der Stadt zu einem großen Teil auf die gestiegenen Nebenkosten, d.h. besonders auf gestiegene Energie- bzw. Heizkosten zurückzuführen sei. Durch energetische Gebäudesanierung ist das Unternehmen in der Lage, den durchschnittlichen Energieverbrauch der Wohnungen von 240kw/a auf ungefähr 85kw/a zu senken. Doch die Sanierungsquote von 0.8% muss laut Braun erhöht werden, um die vorab von Wagner formulierten Ziele eines klimaneutralen Gebäudebereiches erreichen zu können.
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde auf konkrete Probleme auf dem Darmstädter Wohnungsmarkt eingegangen. Vorschläge für mehr dezentrale Energieversorgung in den Quartieren und die Betonung der Wichtigkeit der Erschließung der militärischen Konversionsflächen kamen aus dem Publikum. Die Darmstädter Baudezernentin Brigitte Lindscheid, die ebenfalls im Publikum saß, informierte zum Ende der Veranstaltung über die Probleme, aber auch über Fortschritte in den Verhandlungen mit der Bundeanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bzgl. der Konversionsflächen und über die aktuellen Entwicklung im Sanierungsgebiet Mollerstadt.

 

 

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