Schon die Evaluierung einer testweisen Einführung zeigt, dass so genannte Expressbusse zum Campus-Lichtwiese keine Lösung sind

"Der Einsatz von Expressbussen ist keine Alternative zu einer durchgängigen Straßenbahnverbindung zwischen Hauptbahnhof und Campus Lichtwiese. Dies hat die detaillierte Machbarkeitsprüfung einer testweisen Einführung zweier Expressbusverbindungen zur TU Lichtwiese eingehend gezeigt. Diese Klarheit ist sehr hilfreich für den weiteren Entscheidungsprozess“, so Hildegard Förster-Heldmann und Yücel Akdeniz (beide GRÜNE) sowie Roland Desch und Alexander Schleith (beide CDU), die Fraktionsvorsitzenden der grün-schwarzen Koalition.

Gemäß der Stadtverordnetenversammlung vom Dezember 2017 ist von der HEAG mobilo untersucht worden, ob und wie ein Expressbuskonzept zum Sommersemester 2018 probehalber realisiert werden könnte. Eine Linie (TU-Express 1) sollte den Hauptbahnhof mit dem Campus Lichtwiese verbinden und dabei den stark belasteten Luisenplatz und das Schloss weiträumig umfahren. Eine zweite Linie (TU-Express 2) war vom Darmstadtium zur Lichtwiese vorgesehen. Dafür würde die zurzeit bestehende Linie KU eingestellt und die frei werdenden finanziellen und betrieblichen Mittel für das angedachte Expressbuskonzept eingesetzt werden.

"Die HEAG mobilo hat den Einsatz der beiden Expressbuslinien hinsichtlich der Kosten, der Machbarkeit der Routenführung und der potenziellen Fahrgastnutzung untersucht – und zwar nicht allein vom Schreibtisch aus, sondern auch durch fünf Probefahrten zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Das Ergebnis ist eindeutig: Schon ein einjähriger Testbetrieb ist nicht rentabel – vor allem aber bringt er langfristig keinerlei Angebotsverbesserung für die Mobilität", so die Kommunalpolitiker.

Durch die einjährige Testphase würden zusätzliche Kosten in Höhe von rund 850.000 Euro entstehen, da vier neue Gelenkbusse angeschafft und vier zusätzliche Busfahrkräfte eingestellt werden müssten. Ein Test bedürfe zudem eines deutlich längeren Vorlaufs, als von der Stadtverordnetenversammlung gewünscht. Schon allein die zusätzlichen Fahrerinnen und Fahrer zu finden, sei schwierig, da bundesweit ein Mangel an Personal bestehe. Mit einem evaluierten Testergebnis wäre insofern in frühestens zwei Jahren zu rechnen.
"Was für uns aber noch viel entscheidender ist, ist die Tatsache, dass die im Dezember und Januar versuchsweise eingesetzten Expressbusse gar nicht schneller waren als die Linien K- und KU. Im Gegenteil: Dadurch, dass keine gesonderten ÖPNV-Trassen möglich sind, standen die Busse in den Hochzeiten, in denen sie entlasten sollen im Stau und belasteten zusätzlich den individuellen Autoverkehr: Dies betrifft besonders die stark frequentierten Straßen wie Hügelstraße, Landgraf-Georg-, Hanauer und Heinrichstraße", berichten Förster-Heldmann, Akdeniz, Desch und Schleith von den Ergebnissen. "Von 'Express' kann keine Rede sein. Wer die Wahl hat, wird auch in Zukunft weiterhin den K-Bus nehmen, wenn er oder sie vom Hauptbahnhof aus zur Lichtwiese will. Das Woogsviertel würde also nicht entlastet, sondern durch den Wegfall des KU-Busses schlechter als bisher angebunden. Und das, obwohl mindestens die Hälfte der Fahrgäste in Richtung Lichtwiese aus der Innenstadt kommt. Die Passagiere, die von Schloss und Luisenplatz aus den KU-Bus nutzen, werden bei der Expressbusvariante völlig außen Acht gelassen."

Das Argument der Expressbus-Befürworter, die Lichtwiese sei nur in der Vorlesungszeit und dann nur zu den Stoßzeiten verstärkt anzufahren, ist obsolet. Die TU wächst sowohl was die Studierenden angeht als auch die Zahl der Beschäftigten. Zeiten, in denen weniger Bedarf bestehe, gibt es nicht. "Für uns ist deutlich geworden, dass auch bei Änderung einiger Stellschrauben, die Expressbusvariante nicht die geplante Straßenbahnverbindung ersetzen kann und ein Testbetrieb keinen Sinn macht", so die Fraktionsvorsitzenden abschließend.

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