Tags:  Verkehrspolitik

 Nichts ist so kraftvoll wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Zu den Planungen auf der mittleren Rheinstraße.

Ob Victor Hugo sich über eine Neuordnung der Rheinstraße gefreut hätte ist nicht überliefert. Aber im Regierungspräsidium wird man, beziehungsweise Frau sich heute sicher freuen, dass dieser Impuls endlich Realität wird und eines der dicksten Bretter der letzten Jahre angebohrt ist.

Wie bereits beim Verkehrsversuch Grafenstraße merke ich, dass schnell vergessen wurde, wie die Situation vor dem Versuch war: die Kfz stauten regelmäßig an der Kreuzung zur Neckarstr zurück und blockierten die anderen Richtungen. Auf der Straße permanent der Stress von 1,5 Fahrspuren und der entstehenden Enge. Als Radler auf der Straße radeln war ein Spießroutenlauf. Auf dem gemischten Geh und Radweg andauernd Konflikte durch öffnende Autotüren und dadurch, dass sehr viele Radfahrerende auf sehr viele Fußgänger in beide Richtungen trafen.

Der Versuch brauchte mehrere Iterationen, aber das ist bei einem Verkehrsversuch nicht schlimm. Er zeigte, dass die anfangs kühne Idee funktioniert und nicht alle schlechten Situationen in der Stadt als Naturgesetz angesehen werden müssen. 

Heute sehen wir den nächsten Schritt:

Einen baulich getrennten Radweg, Auflösung der Konflikte mit Fußgängern, endlich die Lösung des permanenten Falschparker kurz vor der Grafenstraße sowie eine jetzt schon täglich spürbare Entspannung des Verkehrsflusses. Dazu erfüllt die Planung mehrere unser aller Ziele, auf die wir uns auf Basis des Radentscheids letztes Jahr verständigt haben: einen breiten Radweg entlang einer Hauptroute und eine Kreuzungsplanung auf Basis der gültigen Richtlinien. Und nebenbei im Bereich Gewerkschaftshaus und Stadttor eine Oberflächensanierung vieler aufbrechender Schlaglöcher für den PKW Verkehr. Plus eine Planung, die dem realen Modal Split in diesem Abschnitt gerecht wird zuzüglich einer Einladung für weitere Verlagerungen, die wir politisch ganz klar anstreben.

Die Idee reicht weit zurück, viele Diskussionen wurden geführt und auch die Planung an sich zeigt die Evolution der Radwegeplanung. Wie der ADFC früher auch verfolgten wir zuerst das Ziel den Radverkehr im Mischverkehr auf der Straße zu führen. Dies war jahrelang Konsens in Deutschland und verändert sich gerade. Und so gibt es nicht viele Städte in Deutschland bisher, die diese sogenannten Protected Bike Lanes schon ausprobieren und so sind wir mal wieder mit an der Spitze der Radentwicklung in Deutschland. Weitere Schritte werden folgen, auch das so gerne zitierte Holland wurde nicht in zwei Jahren zum Radland. 

Wie so oft gibt es gleich zahlreiche Ideen, was alles einfach so besser ginge. Natürlich wünschen wir uns alle mehr grün an dieser Stelle. Diese Diskussion gab es bereits bei den Beteiligungen zum Sanierungsgebiet Mollerstadt. Dort gab es aber auch Leitungspläne, und die Sache wird eine enge Kiste. Dann muss man auch realistisch sein und nicht so tun als könnte man Wurzeln mir nichts dir nichts in verdichtetem Boden leiten - -  wo sollen sie hin wenn der Baum größer wird und was ist wenn die Leitungen mal repariert werden müssen? Ich ahne schon, wer dann die Demos gegen Baumfällungen anführt. Dennoch hoffen wir natürlich alle, dass es möglichst viele Möglichkeiten für zusätzliches Grün in diesem im Sommer überhitzten Viertel möglich werden. 

Zusammen mit dem nun bald kommenden Umbau der Grafenstraße entwickelt sich die Mollerstadt Bauabschnitt für Bauabschnitt weiter zu einer verträglichen Mischung aus dem Naja meistens nötigen KFz Verkehr, Radverkehr, Fußverkehr und Flächen, in denen die Stadt wieder den Menschen gehört. Mit Begegnungen, Interaktionen, mehr Ruhe, mehr Grün, mehr Lebensqualität. Das ist auch in einer Innenstadtlage keine Utopie.

 

Von Stefan Opitz

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